Uwe Hauck - Depression abzugeben

Off-Topic: Uwe Hauck – Depression abzugeben

Depression abzugeben heißt das gerade erschienene Buch von Uwe Hauck. Er berichtet darin über seinen gescheiterten Suizidversuch und den Weg in der Zeit danach. Von seinem Versuch, seine Depression abzugeben und der Erkenntnis, dass ihm dies tatsächlich sein Leben lang nicht gelingen wird. Er erzählt aber auch von dem Kennenlernen von Mitteln und Wegen, seine Depression mehr oder weniger erfolgreich in Schach zu halten und damit (weiter) zu leben.

Professionelle Hilfe

Uwe Hauck holt sich glücklicherweise professionelle Hilfe. Er begibt sich in Therapie. Mehrere Einrichtungen lernt er dabei kennen. Vieles dort Erlernte hilft, aber es gibt auch Dinge, die eigentlich für ihn nutzlos sind. Mit einer gehörigen Brise Humor und Ironie werden sie anscheinend erträglich. Und die Geschichte daraus wird für den Leser richtig unterhaltsam. Mitpatienten, Ärzte, Pfleger und Therapeuten, aber auch Kollegen und die Familie, begleiten ihn auf dem Weg. Je nach ihrem Anteil an der Heilung des „Bekloppten“ bekommen sie ihr Fett weg oder aber werden anerkennend und liebevoll bedacht.

Kommunikation zur Depression

Die Depression sieht man dem Patienten nicht an. Es gibt keinen Gips, der nach sechs Wochen wieder abgelegt werden kann. Dies ist für viele Menschen kaum nachzuvollziehen. In der Kommunikation des Themas stellt das Uwe Hauck immer wieder vor neue Herausforderungen. Schließlich entscheidet er sich bewusst, das Thema Depression nach außen zu tragen, darüber zu sprechen und es nicht mehr zu verstecken. Das hilft ihm für seinen persönlichen Umgang mit der eigenen Depression und anderen Betroffenen hoffentlich auch.

Masken – Machen was andere wollen

Wir folgen irgendwelchen Regeln, erfüllen an uns gestellte Anforderungen, erledigen unsere beruflichen Aufgaben stets professionell. Das eigne Ich wird dabei oft hintenangestellt. Um das Leben dennoch irgendwie zu bewältigen, hat Uwe Hauck sich ein riesiges Lager an Masken angelegt. Je nach Bedarf wird dann die eine oder die andere Maske hervorgezogen. Oft ist dies einfach oder bequem, aber auf Dauer kann man daran verzweifeln.

Gespräche für mehr Individualität

Ein Aspekt wurde mir in diesem Buch auch besonders deutlich klar: Die Individualität eines jeden Menschen, seine persönlichen Eigenarten und Fähigkeiten, seine Kenntnisse und Begabungen bleiben in unserer heutigen Gesellschaft schnell auf der Strecke. Alles wird „fabrikmäßig“ durchorganisiert und optimiert. Es fehlt dann aber an so Vielem. An Zeit, an Ruhe, Muße, Empathie, Tiefe, Gefühl und an vielen Gesprächen. Uwe Hauck hat dies schmerzvoll erleben müssen, aber er hat den Kampf gegen diese Situation aufgenommen!

Empfehlung für Depression abzugeben

Bücher über Depressionen gibt es sehr viele. So nah, so authentisch und anrührend wie bei „Depression abzugeben“ ist mir das Thema noch nie begegnet. Daher gebe ich diesem Buch mindestens fünf von fünf Sternen! Ich wünsche Uwe Hauck für seinen Weg alles erdenklich Gute. Und sollte es eines Tages einen Band 2 geben, so melde ich hiermit schon meine Vorbestellung an.

Depression abzugeben: Erfahrungen aus der Klapse , Uwe Hauck, Verlag Bastei Lübbe, Januar 2017, ISBN 978-3-404-60922-2, 428 Seiten, Taschenbuch [amazon.de Affiliate-Link]

2 thoughts to “Off-Topic: Uwe Hauck – Depression abzugeben”

  1. Hallo,
    danke für diese Buchbesprechung. Das klingt ja wirklich vielversprechend! Ich werde mir das Buch mal holen. Als Angehöriger bin ich in ähnlicher Weise betroffen wie anscheinend im Buch dargestellt. Ich bin schon sehr gespannt.
    LG Susanne

    1. Hallo Susanne,
      ja, die Sicht der Angehörigen wir in dem Buch von Uwe Hauck ausgiebig angesprochen. Da wirst Du sicher einige wertvolle Hinweise entdecken. Alles Gute!
      Schöne Grüße
      Suitbert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*