Off-Topic: #hollerkaputt – Funktioniert Menschlichkeit im Neuland?

In den letzten Tagen kann man beobachten, wie Menschen auf die Geschichte eines Einzelnen im Internet reagieren: Claudius Holler aus Hamburg hat über Youtube seine Krebserkrankung und seine aktuelle persönliche Problemsituation öffentlich gemacht. Die Reaktionen darauf sind zahlreich und von ihrer Ausprägung vielfältig: Unterstützung, Aufmunterung, gut gemeinte Hinweise und Tipps, Weiterleiten des Spendenaufrufes und das eigene Spenden von (kleinen) Beträgen an den Betroffenen. Aber ebenfalls in großer Zahl findet man, Spott, Hohn, Hass, Verunglimpfung, Unterstellungen, Verleumdungen, wüste Beschimpfungen und Ähnliches mehr.

Was passiert da gerade!? Menschliches Leid, Schicksale, Flucht, Krieg, Terror, Gewalt, Schmerzen, Krankheit und Tod – wir werden heute damit in einer unvorstellbaren Masse geflutet! Die heutigen Medien, gleich welcher Art, bringen uns diese Themen bis in den hintersten Winkel unseres Bewusstseins. Wir können uns dessen kaum erwehren. Und wie reagieren wir? Wir schalten (innerlich) ab, wir hören weg, wir lesen und zappen nur kurz über die Schlagzeilen drüber, nehmen die Themen nur noch am Rade wahr, lenken uns mit anderen Dingen ab. Es ist zu viel! Wir können einfach nicht mehr aufnehmen, die Bilder und Nachrichten sind zu gewaltig und unfassbar. Wir stumpfen ab. Ein natürliches Maß an Menschlichkeit lässt sich anscheinend da irgendwie nicht mehr unterbringen.

Wenn nun aus dieser Masse heraus ein einzelnes Schicksal hervor tritt, sozusagen ganz deutlich sichtbar und transparent wird, ist es plötzlich irgendwie anders! Das Maß der Betroffenheit ist ein anderes, die Situation kann plötzlich genauer reflektiert werden. Ich finde wieder einen direkten Bezug, einen Zugang zu den Dingen. Ich kann eine Beziehung zu mir, zu meinem Leben herstellen, das Thema entsprechend einschätzen und reagieren. Das mag nicht bei allen so sein, nicht bei jedem funktionieren (sonst gäbe es nicht die oben beschriebenen Auswüchse) Ich bin mir aber sicher, dass Mehrheit der Menschen so tickt.

Schaut also nicht weg, wenn das Schicksal in welcher Form auch immer, ob im Internet oder der sonstigen Welt, vorbeischaut, anklopft und dich betroffen macht. Spätestens dann sollte man sich nicht wehren, wegschauen und dagegen stemmen. Jeder hat die Wahl, jeden Tag aufs Neue! Oft sind es nur kleine Dinge, die man tun muss, die eigentlich auch nicht viel bedeuten müssen. Rechthaberei und Verbohrtheit sind jetzt fehl am Platz! Man muss sich nur berühren lassen. Und dann ist sie da, die Menschlichkeit, die viele Menschen heute so sehr vermissen. Also, wir sind gefragt, Du bist gefragt! Beim nächsten Tweet, beim nächsten Fernsehbeitrag oder beim nächsten Menschen, der uns direkt anspricht! Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

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